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Leisetreter Blog: Mach mal halblaut…

Die Wüsternrennmaus-Lärmempfindlichkeits-Erklärung

Schwerhörigkeiten werden meisten einen Fehler im Innenohr oder Mittelohr zugeordnet. Manchmal auch dem Hörnerv. Glaubt man jedoch einer Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität in München, dann sind sehr häufig auch zentrale Veränderungen beteiligt.

Die Forscher haben die Hörzellen vom Wüstenrennmäusen analysiert. Dabei haben sie auf die Störanfälligkeit der Mäuse geachtet und das Alter der Tiere berücksichtigt. Ein Ergebnis der Studie war, dass die Mäuse mit zunehmendem Alter, trotz korrekter Hörfähigkeit, immer weniger in der Lage waren, Geräusche zu filtern. Die Münchner Forscher haben als Ursache für dieses Phänomen einen Mangel der Neurotransmitter Glutamat, Glycin und Gamma-Aminobuttersäure bei den Wüstennagern zugeschrieben.

Spannend ist nun die Frage, ob sich die Ergebnisse auch auf Menschen übertragen lassen. Neurobiologe Prof. Dr. Benedikt Grothe hält das für durchaus legitim. Auch ist er der Ansicht, dass sich mit dem Phänomen die sinkende Toleranz gegenüber Lärm mit zunehmendem Alter der Menschen zum Teil erklären lässt.

Eine medikamentöse Therapie ist auf Grundlage dieser neuen Erkenntnisse jedoch derzeit nicht denkbar. Die dafür notwendigen Medikamente würden Epilepsiepräparaten ähneln und mit Nebenwirkungen aufwarten, die denen einer Alterslärmempfindlichkeit deutlich überlegen sind.

Außerdem darf bei dieser Betrachtung nicht vernachlässigt werden, dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit eines Hörverlustes immer wahrscheinlicher wird. Neuere Studien aus dem Jahr 2010 zeigen, dass 78% der schwerhörigen Menschen an einer Hochtonschwerhörigkeit leiden. Diese Schwerhörigkeit sorgt neben einem schlechteren Sprachverständnis in lärmvoller Umgebung dafür, dass tieffrequenter Lärm zwar gut gehört, Sprache jedoch nicht mehr richtig verstanden wird.

Die Ergebnisse der Ludwig-Maximilians-Universität zeigen unter Umständen, dass nicht nur Art und Größenordnung eines Hörverlustes, sondern auch das Alter des betroffenen Menschen und damit seine Lärmverarbeitungsfähigkeit für Sprachverständlichkeitsprobleme in lärmvoller Umgebung verantwortlich sind. Auch wenn Medikamente dagegen derzeit nicht in Sicht sind, so können moderne Hörgeräte die Probleme jedoch zu einem großen Teil korrigieren.

Das Bild der putzigen Nager stammt
von Baldur123 (via Wikimedia)

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Wie MP3-Player das Gehör schädigen

Lärm schädigt das Gehör – das ist nichts neues und bereits gut erforscht. Die Auswirkungen sind für viele Menschen alltäglich greifbar: Wer ein Leben im Lärm hinter sich hat leidet in der zweiten Lebenshälfte häufig unter einem irreparablem Hörverlust.

Befürchtungen von Fachleuten thematisieren momentan laute MP3-Player als Quelle zusätzlichen Übels. Man weiß, das die regelmäßige Beschallung mit hohen Lautstärken in jungen Jahren später einmal zu erheblichen Hörverlusten führt. Besonders dramatisch sind dabei die äußeren Einflüsse: Wird Musik in lauter Umgebung (z.B. S-Bahn) gehört oder löst sie positive Gefühle aus, so wird die Lautstärke immer weiter erhöht.

Forscher der Uni Münster und des Institute for Physiological Sciences in Okazaki (Japan) haben nun noch einen weiteren Aspekt erforscht und offen gelegt, der nicht erst das Hören im Alter betrifft. Im (weiterlesen …)

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Lärmschnurrer

Superlative von lauten Tieren sind in Mode. Ein besonders lauter Specht, das lauteste Hundebellen oder ein extremes Grillenzirpen. Das Schnurren einer Katze jedoch steht nicht unbedingt für ein besonders lautes Schallereignis. Da denkt man eher an warme, gemütliche Tonlagen die nur aus nächster Nähe wirklich hörbar sind.

Ganz anders verhält sich das, wenn Katze “Smokey” mit dem Schnurren beginn. Dann donnern satte 67 Dezibel durch die Wohnung und mit der Ruhe ist es vorbei. Da Smokey große Teile des Tages mit Schnurren verbringt, endet das Schauspiel häufiger mal im Nervenkrieg.

Und das ist durchaus ernst zu nehmen: Die 67 Dezibel sind nämlich in einem Meter Abstand gemessen. Kommt man der Katze ganz nahe, so lassen sich Schnurr-Lautstärken von über 90 Dezibel registrieren. Eine Lautstärke, bei der bereits Gehörschutz angebracht wäre…

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Wieviele Orchestermusiker tragen Gehörschutz?

Im Orchestergraben kann es ziemlich laut zugehen. Das Problem: Musik wird im allgemeinen nicht als Lärm empfunden. Und: Musiker sind darauf angewiesen, sich auf ihre akustische Wahrnehmung verlassen zu können. Ganz praktisch bedeutet dies: Der Umgang mit Gehörschutz muss erst gelernt werden. Die Einschätzung der veränderten Wahrnehmung durch einen Gehörschutz benötigt Training – oft wochenlanges oder monatelanges Training. Nur wer regelmäßig Gehörschutz einsetzt, kann sich umgewöhnen und bleibt dabei.

Hier beginnt der Teufelskreis: Der erste Test bei der Orchesterprobe mit eingesetzten Ohrstöpseln verläuft meist irritierend. Die gewohnte Umgebung klingt anders, das eigene Instrument ebenso. Das ist anstrengend und unangenehm. Meist wird der Gehörschutz schon nach wenigen Minuten Test wieder zur Seite gelegt. Orchestermusiker werden mit diesem Thema und dem richtigen Umgang damit oft allein gelassen.

Dies zeigt auch eine engagierte kleine Studie von Falkenseer Schülern, die damit immerhin eine Regionalausscheidung für “Jugend forscht” für sich entscheiden konnten. Befragt wurden 405 Orchestermusiker. Nur 28 gaben an, Gehörschutz zu tragen. Ein niederschmetterndes Ergebnis, wenn man davon ausgeht, dass Schallpegel von 90 Dezibel auch über längere Zeiträume in Orchestern keine Seltenheit sind.

Judywie hat die Orchesteraufnahme
für photocase.com geschossen.

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Lärmbelastungsrechner

Eigentlich eine gute Idee: Ein Programm, mit dem sich die persönliche Lärmbelastung ermitteln lässt und auch das Risiko, eine Schwerhörigkeit zu erleiden. Ganz besonders jüngere Menschen sind heutzutage gleich mehreren Lärmquellen ausgesetzt, von denen sie einige selber vermutlich gar nicht als “Lärm” bezeichnen würden: Arbeitsplatz, Disco, Konzerte, MP3-Player, …

Wäre es nicht toll, wenn ich mir per Software mit ein paar Klicks mein persönliches Hörverlust-Risiko anzeigen lassen könnte?

Genau das kann man nun mit Hilfe des Lärmbelastungsrechners der IFA (Institut für Arbeitsschutz).

Das Institut für Arbeitsschutz gehört zur gesetzlichen Unfallversicherung. Es ist damit quasi amtlich. Und genau das scheint auch das Problem zu sein: Beim Versuch, mit einer solchen Software die gewünschte Zielgruppe zu erreichen, wäre ein privates Unternehmen vermutlich zunächst mit den Augen der Zielgruppe an das Projekt heran gegangen. Anders das Institut für Arbeitsschutz: Hier wurde auf eine klassische, schlichte, Windowsoberfläche gesetzt und auf jegliche Aufhübschung verzichtet. Die Eingabemaske besteht aus endlosen Textwüsten und Interessenten werden mit unromantischem Fachchinesisch um Auskunft gebeten: “…so kann Ihr L EX,8h maximal 80 dB(A) betragen”. Zudem müssen in dreiseitigen PDF-Files Kennziffern studiert werden.

Schade, die Idee ist gut und so wichtig. Leider hat die IFA hier an der Zielgruppe vorbei programmieren lassen und statt eines interaktiven Tools ein “amtliches Erfassungsblatt” veröffentlicht. Junge Menschen (insbesondere Berufsanfänger) lassen sich mit einer so trockenen Umsetzung kaum gewinnen. Vielleicht gibt es ja bald eine Version 2.0, online bedienbar und in optisch und funktionell ansprechender Form?

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Lass Dich nicht vom Lärmteufel erwischen

Junge Leute sind häufig nicht sensibilisiert für Lautstärken. Musik wird meist lauter gehört als dies gesund ist. Dabei kann man eigentlich niemandem wirklich einen Vorwurf machen, denn gerade Freizeitlärm ist tückisch.

In unserer Freizeit erwischt und Lärm auf eine ziemlich hinterlistige Art und Weise: In Form von schönen/coolen/lässigen/angesagten/hippen Klängen. Und damit öffnet sich der Eingang zu einem Teufelskreis.

Beispiel Musik: Lieblingsmusik macht uns euphorisch, glücklich, high. Wir tanzen gerne darauf ab oder hören sie immer und immer wieder. Oft stellt sich dieser Effekt erst mit einer kräftigen Lautstärke ein. Und wenn wir einige Minuten laute Musik gehört haben, dann kommt ein weiterer Kick nur, wenn die Lautstärke noch einmal zunimmt. So gesellt sich Dezibel zu Dezibel und die Pegel der Musik werden immer lauter. Dabei ist es egal, ob wir die Musik per MP3-Player, auf einem Konzert oder in der Diskothek hören.

Lärm von der Kreissäge ist unangenehm, Lärm aus dem Lautsprechern fühlt sich gut an. Beides schädigt jedoch in gleichem Maße.

Eine neue Kampagne des Teams vom SonicShop versucht nun einen kleinen Schritt auf jüngere Zielgruppen zuzugehen und das Thema Freizeitlärm in den Focus zu setzen. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, dafür mit einem freakigen Kollegen namens “Lärmteufel“.

Zu Beginn der Aktion verlost sonicshop.de für alle Facebook-Fans 100 Lärmteufel-T-Shirts.

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Druckluftfanfare: Das Gehör zuverlässig zerstören

Die meisten Leute finden es lustig:

Mir treibt dieser kurze Spot das kalte Grausen ins Gesicht. Hoffen wir für die Akteure, dass es ein Fake war und dass der Möchtegern-Karatekid Ohrstöpsel trug, als er mit der Drucklufttröte beschallt wurde. Diese Druckluftfanfaren erzeugen nämlich Pegel jenseits der 110 Dezibel. Da werden gerne mal 115 dB gehandelt. Und jetzt kommt der Clou: Diese Lautstärken werden im Labor gemessen, in der Regel mit mindestens einem Meter Abstand zum Mikrofon.

Bei diesem Angriff ist also wohl davon auszugehen, dass Pegel in einer Größenordnung erreicht wurden, die zu einer sofortigen Schädigung des Gehörs geführt haben. Sofort – und endgültig. Schäden durch solche Lärmereignisse zerstören die empfindlichen Haarsinneszellen im Inneren der Hörschnecke sehr zuverlässig. Einmal ausgerissen oder abgeknickt wachsen diese Sinneszellen nicht mehr nach. Was bleibt ist ein Hörverlust, oder ein Tinnitus, oder gar beides.

Warum ich das schreibe? Weil ich mir sehr gut vorstellen kann, dass sich das ganze schnell zum lustigen Partygag entwickelt. Immerhin knapp eine Million Menschen haben sich auf YouTube bereits darüber amüsiert.

Die Druckluft-Fanfaren sind überall frei verkäuflich und das Opfer muss nicht mal schlafen, um damit eindrucksvoll erschreckt zu werden. Und wer weiß schon, dass ein Beinbruch im Gips nach einigen Wochen verheilt, ein Ohr mit Lärmschaden jedoch ein Leben lang schlecht hört?

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Lärmfaktor Kranich

Kraniche sind stolze Vögel. Meist gern gesehen. Und im Spätherbst stehen sie beinahe schon symbolisch für den Zug der Vögel gen Süden.

Ein einzelner Kranich macht ein wenig Lärm. Mehrere Kraniche schon etwas mehr. 30.000 von ihnen veranstalten jedoch ein ohrenbetäubendes Getöse.

Die Welt berichtete jüngst in ihrer Onlineausgabe über diejenigen Landstriche, die wir meinen, wenn wir davon sprechen, dass Kraniche “gen Süden fliegen“. Gemeint ist zum Beispiel Israel. Dort veranstalten die die Vögel ein Höllenkonzert und bringen die Bauern um ihre Kichererbsenernte.

Da ich nicht mit dem Schallpegelmesser vor Ort war, bleibt mir nur der Taschenrechner. Nun ist das mit den Dezibel so eine Sache. Die kann man nämlich nicht so einfach addieren. Die Regel lautet: “Immer wenn sich die Anzahl der Schallquellen verdoppelt erhöht sich der Pegel um 3 dB“. Also bin ich einfach mal davon ausgegangen, dass ein Kranich 60 Dezibel auf die akustische Waage bringt. Das ist etwa so laut wie Menschen sprechen. In der Tabelle rechts sehr Ihr, wie laut es mit zunehmender Kranichpopulation werden kann: Ziemlich laut. Auch wenn die Kraniche zugegebenermaßen nicht alle an einem Ort sitzen.

Lärmende Kraniche in Israel sind ein weiteres Beispiel für die Subjektivität von Schall & Lärm: Was hier bei uns idyllische Akustikkulisse ist, bringt andere Landstriche um den Verstand.

Alles eine Frage der Dosierung…

Das Foto hat Andreas Köckeritz für pixelio.de
geschossen. Zugegeben, er war dafür
vermutlich nicht in Israel.

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Müssen Gehörlose Gehörschutz tragen?

Manchem Leser der Nordseezeitung mag das schlecht recherchiert vorgekommen sein: Ein Gehörloser Mensch wird in einem Maschinenbaubetrieb angestellt und muss dort Gehörschutz tragen.

Dabei kann das durchaus gute Gründe haben. Denn die meisten gehörlosen Menschen hören keineswegs überhaupt nichts. Meist sind sie im Besitz eines Restgehörs. Mit Hilfe von Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten wird die Umgebungsakustik für das Restgehör so aufbereitet, dass sie z.B. bei der Orientierung oder beim Wahrnehmen von Warnsignalen hilft.

Zwar ist in Fachkreisen umstritten, ob ein Restgehör, also ein recht geringes Hörvermögen, durch berufliche Lärmeinwirkung weiter geschädigt werden kann (schließlich machen Hörgeräte ja auch alles lauter), dennoch ist es ratsam, in besonders lärmbelasteter Umgebung, wie z.B. im Maschinenbau, die Hörreste durch geeigneten Gehörschutz vor weiterer Schädigung zu schützen. Meist geht das ohne großen Aufwand, denn in diesen lauten Bereichen wird ohnehin durch den Arbeitgeber Gehörschutz bereit gestellt.

Der Funkenflug wurde von Christian Fraaß
für aboutpixel.de festgehalten.

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Blödes Orchester beeindruckt

Als ich heute morgen die Kaffeemaschine ansah, dachte ich so bei mir: Wie einsam muss sie sich fühlen. Gurgelt hier solo vor sich hin, dabei wäre ihr Platz eigentlich zwischen der Waschmaschine und dem Mixer. Mit ihrem Talent (bei Fertigstellung des Kaffees legt sie sich akustisch wirklich richtig ins Zeug!) wäre sie in symphonischem Rahmen ganz sicher eine ganz große Nummer!

Ich werde mich in den nächsten Tagen an das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg wenden und fragen, ob dort noch ein Platz im Orchester frei ist. Im Blöden Orchester.

In diesem eindrucksvollen Ensemble spielen über 150 historische Küchengeräte immer fünfzehn Minuten nach der vollen Stunde zu einer 35-minütigen Küchensymphonie auf.

Der Dirigent, Cembalist und Komponist Michael Petermann hat satte 8 Jahre an der Idee gearbeitet. Er trug die Klangkörper zusammen und synchronisierte der Betriebsgeräusche zu einem eindrucksvollen Soundtrack. Noch bis zum 30. April 2011 ist sein Arrangement in Hamburg zu bestaunen.

Nicht nur die Akustik des Orchesters beeindruckt, auch das Video ist toll gemacht. Hier wird deutlich: Der feine Unterschied zwischen Lärm und Musik liegt nicht beim Verursacher, sondern im Kontext und im Ohr des Zuhörers. Viele der aufführenden Küchengeräte wurden heutigen Lärmschutzempfinden im Küchenbetrieb nicht mehr genügen. Hier im Orchester stört das kaum jemanden.

[via Kugelbahn-Blog]

Video: white tube, Orchesterübersicht
oben rechts ist aus dem Video.

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