Wo der Mensch versteht ist bereits sehr lange bekannt: Bereits im Jahr 1874 entdeckte der Neurowissenschaftler Carl Wernicke die Funktionalität eines Bereiches des hinteren Schläfenlappens und ordnete ihm das menschliche Sprachverständnis zu. Diese Definition und Ortsbestimmung hatte lange Zeit Bestand. Zwar wurde sie in letzter Zeit häufiger in Frage gestellt, alte Lehrmeinungen werden jedoch nicht so schnell umgestoßen.
Neuerdings sind die Indizien für eine abweichende Lage des “Wernicke-Zentrums” jedoch erdrückend. Maßgeblich zu einer Anschauungsänderung trug eine Metastudie zweier Forscher des Washingtoner Georgetown University Medical Center. Die beiden Forscher trugen 800 Lagebestimmungen aus 115 separaten Studien zusammen und konnten die Lage des Wernicke-Zentrums neu kartografieren: Es liegt immerhin 3 Zentimeter vom bisherigen Lageort entfern und befindet sich nicht hinter, sondern vor dem Bereich der Gehirnrinde, in dem wir Gehörtes verarbeiten.
Wichtige Erkenntnisse könnte diese Lageveränderung z.B. für die Diagnose und Behandlung von Sprachstörungen nach Schlaganfällen bringen.
Ganz nebenbei bringt die Lagebestimmung auch neue Erkenntnisse in Bezug auf die Verwandschaft von Menschen und Affen. Bei letzteren wurde nämlich erst vor kurzen ein Zentrum mit ähnlicher Funktion und identischer Lage entdeckt.
Hier geht’s zur Studie (englisch).
Bild: Wikimedia (noch mit alter Lage)
Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland über 15 Millionen Menschen schlecht hören. Tendenz: steigend. Viele der Betroffenen wissen nichts von ihrem Hörverlust und schieben erste Anzeichen und beginnende Hörprobleme auf ihre Umwelt: “Menschen sprechen undeutlicher”, “Fernsehfilme sind nicht mehr so klar wie früher”, “Die Musik auf Veranstaltungen wird immer unerträglicher, “…”
Das eigene Hörvermögen besser kennen zu lernen ist ganz simpel, tut nicht weh und ist in wenigen Minuten erledigt. Viele Hörgeräteakustiker in Deutschland bieten solche Hörtests an. Einige von ihnen sogar kostenlos.
Ich möchte heute erklären, wie so ein Hörtest abläuft. Vielleicht (weiterlesen …)
Mal ehrlich: Wenn ein Mensch mit dem Titel “Prof. Dr. med. Dr. phil.” vorhat, uns zu erklären, wie das Hören funktioniert, dann flüchten viele von uns innerlich und erwarten unverständliche Zusammenhänge. Manchmal ist diese Flucht durchaus berechtigt.
Ganz anders ist das jedoch, wenn Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer auf der Bühne erscheint. Aus “Physiologie des Hörens” wird bei ihm “Vom Wackeln zum Hören”. In seiner unvergleichlich lebhaften und bildhaften Art schafft er es, Menschen in nur 15 Minuten einen Eindruck von wichtigen Abläufen im Ohr und in der zentralen Verarbeitung zu vermitteln. Das ist bemerkenswert.
Wer schon immer einmal verstehen wollte, wie das Richtungshören beim Menschen funktioniert, der sollte das Spitzer-Video nicht verpassen.
Erschienen ist dieser Ausflug in die Welt des Hörens als Folge der Reihe “Geist und Gehirn” im Rahmen von BR-alpha. Hier geht’s zur Seite des Videos beim Bayrischen Rundfunk.
Vor einiger Zeit stolperte ich über den Podcast OmegaTau von Markus Völter. Aus dem “kurz mal reinhören” wurden ausgedehnte Zuhörstunden auf längeren Autofahrten.
Seit ich mit dem Zuhören begann, habe ich viel gelernt. Über Evolution, über Seehunde, Wetter oder Zugvögel. Denn Markus Völter und Nora Ludewig befragen in ihren Hörepisoden Fachleute ganz unterschiedlicher Gebiete. Dabei bremsen sie die Experten immer wieder aus, bevor sie allzu sehr in ihr eigenes Fachlatein verfallen. Und sie fragen Dinge, die man sich selber auch fragen würde.
Neulich traute ich meinen Ohren kaum: Auf OmegaTau stand das Thema “Audiologie & Hörgeräte” als Podcast zum Download. Ein Bereich, in dem ich zu hause bin. Marcus Völter hatte André Steinbuß besucht, den Leiter der der Abteilung Forschung und Entwicklung von Siemens Hörgeräte in Erlangen. Und damit tat er einen Glücksgriff, denn André ist in der Lage, komplizierte Zusammenhänge einfach und sehr bildhaft zu erklären.
Heraus kam ein einstündiges Hörerlebnis, das man jedem ans Herz legen kann, der immer schon mal wissen wollte, wie Hören funktioniert, was Hören beeinträchtigt, wie Hörgeräte funktionieren und wie es in einem schalltoten Raum zugeht
Reinhörbefehl vom Leisetreter – das lohnt sich!
Neulich fand ich die Zeit für einen Museumsbesuch. Ziel war das Neue Museum auf der Museumsinsel in Berlin. Dort wollte ich die ägyptische Ausstellung erleben.
Für jemanden wie mich, der häufig mit dem Thema Ohren zu tun hat, war der Besuch irritierend. Denn in den Räumen mit alle den ägyptischen Büsten und Stelen entführten die Ohren der historischen Ausstellungsstücke immer wieder meinen Blick. Während die Darstellungen an sich oft abstrahiert waren, war doch allen Ausstellungsstücken gemein, dass die Ohren deutlich herausgeformt und mit vielen Details
dargestellt waren.
So stimmten nicht nur die Proportionen, auch Form und Verlauf waren bestechend originalgetreu. Und meistens war auch die innere Ohrmuschel (Concha) mit zusätzlichen Details wie z.B. Helix und Anthelix korrekt. dargestellt.

Zu meinem großen Erstaunen entdeckte ich dann auch noch eine Stele mit Abbildungen oder Entwürfen von Ohren. Alter: 3000-3500 Jahre. Den alten Ägyptern scheint die Bedeutung des Sinnesorgans Gehör allem Anschein nach bereits bewusst gewesen zu sein.
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