Wer kennt das nicht?
"Probe
vorbei, Konzert zu Ende, Gig gelaufen - Du verlässt die Bühne, den
Proberaum und hast ein scheußliches Klingeln in den Ohren."
"Das passiert jedem mal, geht ja auch gleich wieder vorbei!" hört man dann oft von den Betroffenen.
Was ist passiert?
Wenn Schallpegel lauter als 90 Dezibel werden, schädigen sie das menschliche
Innenohr bei längerer Einwirkungszeit. Tritt so eine Schädigung auf,
meldet sich das Ohr mit einem Pfeifen oder Rauschen, dem so genannten Tinnitus.
Wie funktioniert Hören?
Im Innenohr des Menschen sitzen sog. Haarsinneszellen. Sie sind zuständig
für das Umsetzen und Weiterleiten der Schalleindrücke in das Gehirn.
Haarsinneszellen können nicht unterscheiden, ob Musik oder Explosionslärm
im Ohr ankommen und reagieren deshalb auf alles in gleicher Weise empfindlich.
Rockband = Presslufthammer?
Während das Ohr keine Unterschiede macht, ist der Mensch wählerisch
beim Konsumieren lauter Pegel: Beim Rock-Gig auf der Bühne erreichen die
Pegel schnell mal 120 Dezibel und mehr. Die Stimmung, das Publikum, die Anspannung
und die Musik, die man ja macht, weil sie einem Spaß macht, sorgen dafür,
dass sich Musiker auch bei 130 Dezibel noch wohl fühlen.
Zum Vergleich: Schon bei 110 Dezibel wird uns ein Presslufthammer unangenehm,
bereits bei 100 Dezibel flüchten wir vor vorbeifahrenden LKW.
Was genau passiert im Ohr?
Schaut man sich einen Schallangriff mal unter dem Mikroskop an, kann man erkennen,
dass die hochsensiblen Haarsinneszellen des Innenohres unter der Schallbelastung
regelrecht zusammenklappen oder ausfallen. Solche Schädigungen treten immer
dann auf, wenn Schall in hoher Dosis über einen längeren Zeitraum
oder in extrem hoher Dosis für kurze Zeit auf das Ohr trifft.
Wann erholen sich Ohren?
Entgegen weit verbreiteter Meinungen erholen sich die geschädigte Ohren
nie. Schädigungen der Haarsinneszellen sind nicht reparabel, der damit
verbundene Hörverlust ist endgültig. Betroffene Menschen hören
nicht nur leiser, sie verstehen Sprache schlechter, besonders im Störlärm,
und sind deutlich lärmempfindlicher als Normalhörende. Es ist auch
ein Märchen, dass man sein Gehör an hohe Lautstärken gewöhnen
kann. Eine Gewöhnung an hohe Lautstärken hat die Natur nicht vorgesehen.
Wie lange darf das Ohr beschallt werden?
Es gibt Untersuchungen, die belegen, nach welcher wöchentlichen Einwirkungszeit
das Gehör Schaden nimmt. Die Grafik zeigt, welche Pegeldosen ein normal
hörendes, ungeschütztes, gesundes Gehör wöchentlich verträgt.
Jeder Musiker, der sich in Proberäumen mit 120 Dezibel und mehr bewegt,
wird schnell erkennen, dass er mit diesen Zeiten hinten und vorne nicht hinkommt.
Info: Wer mehr zum Thema "Lautstärke" und "Lärm" erfahren möchte, dem empfehlen wir unsere Sonderseite.
Für Musiker interessant: Wussten Sie, dass Blechbläser bis über 120 Dezibel Schalldruckpegel erzeugen können? Ein Chor singt nicht selten mit mehr als 90 Dezibel und sogar Geigen lassen die 100-Dezibel-Grenze locker hinter sich. Wer mehr Informationen zu den Lautstärken einzelner Instrumente sucht, wird bei der Lärmberatung Wittstock fündig.
Nur drei Minuten Musik pro Woche?
Keine Panik, es gibt Möglichkeiten, das Gehör wirkungsvoll zu schützen
und damit die Einwirkzeiten zu verlängern. Gehörschutzplugs (-stöpsel)
verringern die Einwirkungszeit von Lärm und hohen Lautstärken erheblich.
Sie variieren in ihrer Abdämpfung zwischen 15 und 40 Dezibel, je nachdem,
was und wie abgedämpft werden soll.
Welcher Gehörschutz kommt in Frage?
Er gibt drei grundsätzliche Gehörschutz-Ansätze für Musiker:
- vorgefertigte Gehörschutz-Plugs
(z.B. MusicSafe oder UltraTech) - In-Ear-Monitoring
- maßgefertigte Gehörschutzotoplastiken
Der Unterschied liegt im Detail: Vorgefertigte Plugs dichten das Ohr ab, indem
sie sich der Ohrkontur angleichen und mit leichtem Druck das Ohr dichthalten.
Individuell gefertigter Gehörschutz wird maßgefertigt und sitzt druckfrei
und nahezu unspürbar im Gehörgang. Da sich das Ohr verändert,
muss er jedoch häufiger mal erneuert werden. In-Ear-Monitoring dichtet
das Ohr ab und führt den Monitorsound direkt in das Ohr. Dadurch sind deutlich
geringere Lautstärken notwendig und der Monitorlärm auf der Bühne
geht spürbar zurück.
Für Menschen, die ihren Gehörschutz z.B. beruflich von morgens bis abends tragen, empfiehlt sich individueller Gehörschutz. Die vergleichsweise hohen Kosten müssen für diese Variante jedoch berücksichtigt werden. Eine gute Preis-Leistungs-Alternative sind vorgefertigte Filterplugs.
Was ist mit dem Sound?
Die
größte Befürchtung von Musikern ist, dass der Gehörschutz-Plug
den Sound kaputt macht. Dies trifft nur für einfache Schaumstoff-Plugs
zu. Diese dämpfen zwar sehr stark ab, sie "dumpfen" jedoch auch
ab. Hohe Frequenzen werden stärker weggenommen als die Tiefen. Der Effekt:
Alles hört sich wie in Watte gehüllt an, der Klang wird stumpf und
hohl.
Was tun, um den Klang zu erhalten?
Ausgesprochene Musiker-Gehörschützer haben in der Regel ein Filtersystem,
welches dafür sorgt, dass die Lautstärke sinkt, der Klang aber gleich
bleibt. Vergleichbar mit dem Lautstärkeregler an der Stereoanlage: Du drehst
- und es wird leiser, aber nicht dumpfer.
Filter bringen noch einen weiteren Vorteil: sie belüften das Ohr und vermeiden
so, dass man sich mit Plug abgeschlossen fühlt. Das Dämmverhalten
von Gehörschützern haben wir übrigens in eine anschauliche Form
gebracht: "Sonicgramm"
nennen wir es. Hier sind die SonicGramme
der meisten Gehörschützer im Überblick.
Namen! Wonach muss ich fragen?
Auch
hier muss man wieder unterscheiden: Besonders geeignet als vorgefertigte Plugs
für Musikliebhaber und Musiker sind Produkte mit dem Namen "MusicSafe
SonicSet" und
"UltraTech".
Beide Plugs haben besonders weiche Membranen (angenehmer Sitz!) und Filtersysteme,
die sie zu ausgesprochenem HiFi-Gehörschutz machen. Und: beide Plugs sind
in unserem Webshop sofort verfügbar. Mit
ca. 25 Euro Investition legt man sich damit ein gut klingendes Schutzsystem
zu.
Bei den individuell gefertigten Systemen sind zwei Produkte hervorzuheben: "Elacin ER09 / ER15 / ER25" und "Jrenum linear". "Elacin" hat einen austauschbaren Filter, die Filter "ER15 und ER25" sind nahezu linear und haben unterschiedlich starke Abdämpfung.
Alternative: Monitoring
Wer auf der Bühne steht und einen Monitorausgang in der Nähe hat (oder
gar ein Funkset zur Verfügung hat), der ist mit sog. "Monitorhörern" gut
bedient. Das Prinzip: Die Musik kommt über Ohrhörer in das Ohr, die
umgebende Schallkulisse wird dur
ch die Hörer gleichzeitig gedämmt. Ein gutes Einsteigersystem ist
z.B. unser CX-Monitor. Perfekt
für Profis ist unser super.fi 5 Pro
SonicSet. Hier geht's zum In-Ear-Monitoring
Vergleich.
Was kostet der Spaß?
Die einfachsten Gehörschutzstöpsel gibt es schon für wenige Pfennige.
Hochwertige Filtersysteme gibt es als vorgefertigte Stöpsel ab knapp 25
Euro pro Paar, individuell gefertigte Systeme beginnen im HiFi-Bereich bei etwas
über 150 Euro pro Paar. Profi-Monitoring ist ab 240 Euro zu bekommen.
Wo bekomme ich Gehörschutz?
Online-Informationen zum Thema Gehörschutz mit Bestellmöglichkeiten
gibt es hier im SonicShop: http://www.sonicshop.de/
Eine Liste von Spezialisten für individuell angefertigten Gehörschutz
finden Sie hier.
Wie finde ich heraus, ob ich noch normal höre?
Die schnellste Möglichkeit:
Der Hörtest im Internet (verschiedene Tests, ansurfbar unter http://www.sonicshop.de/De/Hoertest.htm)
Die exaktesten Möglichkeiten:
- Hörtest beim Hörgeräteakustiker (die Akustiker testen Euer
Gehör in der Regel kostenlos). Hier findet
Ihr einige Profis auf dem Bereich.
- Hörtest beim Hals-Nasen-Ohrenarzt (der hat auch die medizinische Ausrüstung, um nach der Ursache eines Hörverlustes zu suchen)
Was gibt's sonst dazu im Web?
- Der jährliche Tag
gegen Lärm als Aufruf für eine ruhigere Umwelt
- Deutsche Tinnitus-Liga, Infos für Menschen mit Ohrgeräuschen
oder Hörverlust: http://www.tinnitus-liga.de/
- Deutscher Arbeitskreis
für Lärmbekämpfung (DAL) gibt Informationen zum Thema Lärm.
Sinnvoll: Der dB-Rechner.
- Arbeitsgruppe
Hörforschung Gießen - sehr gut gemachte Informationen zur Auswirkung
von Lärmeinflüssen
- Fördergemeinschaft Gutes Hören: http://www.fgh-besserhoeren.de/
- Hörzentrum Oldenburg, Forschung zum Thema
"Hören": http://www.physik.uni-oldenburg.de/Docs/medi/hoerz/
- Bayerisches Landesamt für Arbeitsschutz, persönliche Schutzausrüstungen
/ Gehörschutz: http://www.lfas.bayern.de/publ/psa_3/earprot.htm
- deutschsprachige Newsgroup Hören: news:de.etc.selbsthilfe.gehoer
Unsicher? Dann schauen Sie sich unseren Gehörschutz-Finder an. Jetzt in neuer Version und mit noch mehr Optionen für die Suche nach geeignetem Gehörschutz.
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(www.sonicshop.de). Höherauflösende
Grafiken stellen wir Ihnen gerne auf
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