Auf der Website der University College London steht ein interessantes Tool zum Download: HearLoss – Eine Software, welche die Auswirkungen eines Hörverlustes demonstriert.
Nach Installation des Programmes stehen vier verschiedene Hörvermögen bzw. Hörverlustarten zur Auswahl: Normalhörend, leichter/mittlerer/schwere Hörverlust. Die Startversion der Software kommt mit drei Soundfiles: Sprache, Musik und Hintergrundgeräusch. Die Sounds können bei der Wiedergabe gemischt werden. Während die Klänge zu hören sind, lassen sich die Einschränkungen (leicht/mittel/schwer) in drei verschiedenen Kategorien umschalten und miteinander kombinieren:
Verlust an Lautstärkeempfindlichkeit
Verlust an Frequenzauflösung (Simulation eines Höchtonhörverlustes in verschiedenen Stärken)
Verlust des Unterscheidungsvermögens von Tonhöhen
Besonders interessant: Es lassen sich eigenen Soundfiles in das Programm nachladen und durch die Simulation schicken.
Sie Software läuft auf Windows-Systemen und steht sogar in einer deutschsprachigen Version auf der Website der UCL kostenlos bereit: Zum Download.
HearLoss ist ein eindrucksvolles Tool, um sich in die Hörweise von Menschen mit Hörverlust hineindenken zu können. Schnell wird klar, dass Schwerhörigkeit nicht gleichzeitig völlige Taubheit bedeutet. Und ebenso schnell wird klar: Ein Hörverlust hat krasse Folgen. Es lohnt sich das Gehör zu schützen. Gehörschutz kann solche Hörverluste verhindern helfen.
Warum lässt das Gehör im Alter nach? Die Gründe sind vielfältig: Krankheiten, Lärmbelastung im Laufe eines Lebens, genetische Vorbelastung, Medikamente und eine ganze Reihe anderer Faktoren können verantwortlich sein für ein über die Jahre nachlassendes Gehör.
Ein Forscherteam um Professor Frank R. Lin an der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore fanden nur einen weiteren möglichen Risikofaktor: Die Hautfarbe.
Im Rahmen einer Gesundheitsbefragung von 717 über 70-jährigen US-Amerikanern würden auch Hörtests durchgeführt. Den Forschern fiel bei der Auswertung auf, dass die weißen Befragten eine Schwerhörigkeitsquote von 64% zeigten, die Afroamerikaner jedoch nur 43 %. Zunächst lag die Vermutung nahe, dass statistische Effekte wie Alter oder Lärmexposition Ursache für diese deutliche Abweichung sein könnten. Nachdem diese Faktoren bereinigt waren, wurde der Unterschied jedoch noch deutlicher: Die Farbigen zeigten nur noch ein Schwerhörigkeitsrisiko von 30% (verglichen mit 64% bei den Weißen).
Die Ursache ist derzeit noch nicht hunderprozentig geklärt. Eine mögliche Ursache sind schützende Effekte durch Pigmente in Haut- und Innenohrzellen. Diese Pigmente könnten das Innenohr dadurch schützen, dass sie freie Radikale absorbieren.
Klassische Musik live zu erleben ist ein besonderes Erlebnis für die Ohren – und für die Augen. Die Emotionen, die dabei freigesetzt werden, lassen sich durch eine CD oder ein MP3 nicht so einfach reproduzieren.
Doch wie macht man Menschen die emotionalen Momente eines Konzertbesuchs deutlich?
Das Zürcher Kammerorchester hat einen ganz besonderen Weg gefunden, um zu visualisieren, wie aufregend ein Konzertbesuch sein kann: Zur Musik aus “Symphonie Nr. 2″ von Ferdinand Ries ließen sie eine Achterbahnfahrt auf Notenlinien virtualisieren. Das Ergebnis ist eine ganz besonderer Rollercoaster-Trip:
Wo der Mensch versteht ist bereits sehr lange bekannt: Bereits im Jahr 1874 entdeckte der Neurowissenschaftler Carl Wernicke die Funktionalität eines Bereiches des hinteren Schläfenlappens und ordnete ihm das menschliche Sprachverständnis zu. Diese Definition und Ortsbestimmung hatte lange Zeit Bestand. Zwar wurde sie in letzter Zeit häufiger in Frage gestellt, alte Lehrmeinungen werden jedoch nicht so schnell umgestoßen.
Neuerdings sind die Indizien für eine abweichende Lage des “Wernicke-Zentrums” jedoch erdrückend. Maßgeblich zu einer Anschauungsänderung trug eine Metastudie zweier Forscher des Washingtoner Georgetown University Medical Center. Die beiden Forscher trugen 800 Lagebestimmungen aus 115 separaten Studien zusammen und konnten die Lage des Wernicke-Zentrums neu kartografieren: Es liegt immerhin 3 Zentimeter vom bisherigen Lageort entfern und befindet sich nicht hinter, sondern vor dem Bereich der Gehirnrinde, in dem wir Gehörtes verarbeiten.
Wichtige Erkenntnisse könnte diese Lageveränderung z.B. für die Diagnose und Behandlung von Sprachstörungen nach Schlaganfällen bringen.
Ganz nebenbei bringt die Lagebestimmung auch neue Erkenntnisse in Bezug auf die Verwandschaft von Menschen und Affen. Bei letzteren wurde nämlich erst vor kurzen ein Zentrum mit ähnlicher Funktion und identischer Lage entdeckt.
Hier geht’s zur Studie (englisch).
Bild: Wikimedia (noch mit alter Lage)
Ein hektischer Arbeitstag ist zu ende, die Heimfahrt endet wie so oft in der Blechlawine mit tausenden anderen Pendlern und daheim macht einem der Nachbarschaftslärm den Feierabend zur Hölle.
Stop, es ist Zeit für eine akustische Ausflugsreise und etwas Entspannung. gomix.it ist eine Seite mit einem 4-Kanal-Soundmixer. Und das war es auch schon. Was sie so besonders macht sind die Sounds, die hinterlegt sind. Dabei handelt es sich nämlich überwiegend um Naturklänge. Stellt man diese geschickt zusammen, so ergibt sich eine tolle akustische Kulisse, in der unser Hörsinn und die Gedanken auf Entdeckungsreise gehen können.
Der soziale Kurzmitteilungsdienst Twitter ist eigentlich bekannt für seinen spartanische Umfang. Tweets dürfen nur aus wenigen Zeichen bestehen, Links werden am besten abgekürzt.
Einige Wissenschaftler und Künstler haben diesen Datenminimalismun im Auftrag von Deutschlandradio Kultur in eine multimediale Klangkulisse verwandelt. Sie geben den Bits & Bytes Klänge und Aussehen, sie sonifizieren Twitter.
Was dabei heraus kommt sieht toll aus und klingt ein wenig wie der Soundtrack zu einem Unterwasser-Science-Fiction-Film.
Wer das ganze beeinflussen möchte, schickt einfach einen Tweet in die Welt, wartet einen Moment und beobachtet das eigene Zwitschern mit ein wenig Glück auf der Multimediatonleiter von tweetscapes.de.
Schwerhörigkeiten werden meisten einen Fehler im Innenohr oder Mittelohr zugeordnet. Manchmal auch dem Hörnerv. Glaubt man jedoch einer Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität in München, dann sind sehr häufig auch zentrale Veränderungen beteiligt.
Die Forscher haben die Hörzellen vom Wüstenrennmäusen analysiert. Dabei haben sie auf die Störanfälligkeit der Mäuse geachtet und das Alter der Tiere berücksichtigt. Ein Ergebnis der Studie war, dass die Mäuse mit zunehmendem Alter, trotz korrekter Hörfähigkeit, immer weniger in der Lage waren, Geräusche zu filtern. Die Münchner Forscher haben als Ursache für dieses Phänomen einen Mangel der Neurotransmitter Glutamat, Glycin und Gamma-Aminobuttersäure bei den Wüstennagern zugeschrieben.
Spannend ist nun die Frage, ob sich die Ergebnisse auch auf Menschen übertragen lassen. Neurobiologe Prof. Dr. Benedikt Grothe hält das für durchaus legitim. Auch ist er der Ansicht, dass sich mit dem Phänomen die sinkende Toleranz gegenüber Lärm mit zunehmendem Alter der Menschen zum Teil erklären lässt.
Eine medikamentöse Therapie ist auf Grundlage dieser neuen Erkenntnisse jedoch derzeit nicht denkbar. Die dafür notwendigen Medikamente würden Epilepsiepräparaten ähneln und mit Nebenwirkungen aufwarten, die denen einer Alterslärmempfindlichkeit deutlich überlegen sind.
Außerdem darf bei dieser Betrachtung nicht vernachlässigt werden, dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit eines Hörverlustes immer wahrscheinlicher wird. Neuere Studien aus dem Jahr 2010 zeigen, dass 78% der schwerhörigen Menschen an einer Hochtonschwerhörigkeit leiden. Diese Schwerhörigkeit sorgt neben einem schlechteren Sprachverständnis in lärmvoller Umgebung dafür, dass tieffrequenter Lärm zwar gut gehört, Sprache jedoch nicht mehr richtig verstanden wird.
Die Ergebnisse der Ludwig-Maximilians-Universität zeigen unter Umständen, dass nicht nur Art und Größenordnung eines Hörverlustes, sondern auch das Alter des betroffenen Menschen und damit seine Lärmverarbeitungsfähigkeit für Sprachverständlichkeitsprobleme in lärmvoller Umgebung verantwortlich sind. Auch wenn Medikamente dagegen derzeit nicht in Sicht sind, so können moderne Hörgeräte die Probleme jedoch zu einem großen Teil korrigieren.
Das Bild der putzigen Nager stammt von Baldur123 (via Wikimedia)
Übernachtungen in Eishotels sind in. Chillen in heruntergekühlten Großstadteinbars ist trendy. Das hier jedoch, setzt der Kältewelle eine kreative Krone auf:
Terje Isungsets schneidet Einblöcke aus einem See in Norwegen und formt daraus Musikinstrumente. Trommeln, Percussiontools und Hörner entstehen aus gefrorenem Wasser. Und das beste: Terje spielt selber darauf und macht auf diese Weise eine faszinierende Musik. Der Klang ist eigenartig und faszinierend zugleich.
Eigentlich schade, dass seine Konzerte in Mitteleuropa nur maximal 40 Minuten lang sind. Doch gingen sie länger, würden ihm seine Instrumente wegschmelzen…
Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland über 15 Millionen Menschen schlecht hören. Tendenz: steigend. Viele der Betroffenen wissen nichts von ihrem Hörverlust und schieben erste Anzeichen und beginnende Hörprobleme auf ihre Umwelt: “Menschen sprechen undeutlicher”, “Fernsehfilme sind nicht mehr so klar wie früher”, “Die Musik auf Veranstaltungen wird immer unerträglicher, “…”
Das eigene Hörvermögen besser kennen zu lernen ist ganz simpel, tut nicht weh und ist in wenigen Minuten erledigt. Viele Hörgeräteakustiker in Deutschland bieten solche Hörtests an. Einige von ihnen sogar kostenlos.
Bill Bailey ist ein beliebter englischer Commedian und bekannt für seinen schrägen und trockenen Humor. Er ist jedoch auch Musikenthusiast und selber Pianist und Gitarrist. Reichert man diese Kombination noch mit einer hervorragenden Dirigentin und Arrangeurin an (Anne Dudley, Komponistin diverser Filmscores und bekannt durch ihre Mitgliedschaft in der Band Art of Noise), so fehlt eigentlich nur noch das BBC Concert Orchestra für einen ganz besonderen Comedy-Abend.
Bailey nimmt in seinem Remarkable Guide To The Orchestra die einzelnen Elemente eines philharmonischen Orchesters auseinander und lässt in den Köpfen der Zuschauer kleine Geschichten entstehen. Wer so mit klassischer Musik in Berührung kommt, hat vermutlich beste Chancen, sein Herz daran zu verlieren.
Das Video vom Remarkable Guide To The Orchestra kann man Amazon bestellen – auf Bluray in brillanter Optik und Sound. Eine kleine Version in geringer Auflösung mit Ausschnitten ist auch auf Youtube verfügbar: