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Druckbetankung: Musikabmischungen mit immer mehr Schallenergie

Blogbeitrag gepostet am 30.09.2011

Musik wird immer lauter. Gemeint ist ausnahmsweise mal nicht der Lautstärkepegel auf Konzerten, sondern die Musik aus der Konserve. „Laut“ bezieht sich in diesem Fall auch nicht auf die Lautstärke, die der Musikfan an der Stereoanlage oder am MP3-Player einstellt. Gemeint ist der mittlere Lautstärkepegel auf dem Datenträger, also der CD oder dem MP3-File.

Diese Lautstärke steigt seit Jahren und hat mittlerweile ein Niveau erreicht, das durchaus bedenklich ist.

Die Musikindustrie versucht, Musik mit möglichst hoher durchschnittlicher Lautstärke abzumischen. Das hat zwei Gründe: Zum einen klingt Musik auf diese Weise „fett“ und präsent, zum anderen wird dafür gesorgt, dass leise Klanganteile auch bei starkem Umgebungslärm noch hörbar sind. Musik setzt sich auf diese Weise durch.

Erreicht wird dieser Effekt, indem die leisen Anteile der Musik aufgepumpt werden: Ihre Lautstärke wird stark erhöht und zu den lauten Musikanteilen angeglichen. Das Ergebnis ist ein viel höhere Durchschnittslautstärke und ein lauterer Musikeindruck. Sehr anschaulich zu erkennen ist das rechts im Screenshot der schweizer Unfallversicherung. Zu sehen sind zwei Versionen von „So Far Away“, einem Titel der Dire Straits. Er wurde im Original (links) 1985 veröffentlicht. Zu sehen sind viele Details, einzelne sehr laute Momente, ständig wechselnde Lautstärke. 2005 kam dann das Album remastered neu auf den Markt (rechts). Derselbe Titel ist optisch kaum noch wieder zu erkennen: Die leisen Bereiche wurden auf ein Maximum aufgepumpt und schlagen beinahe über die gesamte Tracklänge an die Maximalgrenze. Seinen Charakter hat der Titel optisch völlig verloren.

Diese Soundverdichtung greift immer weiter um sich. Doch regt sich auch Widerstand. So wurde in diesem Jahr zum ersten mal der Dynamic Range Day veranstaltet, um auf das Problem hinzuweisen. Auch macht so mancher Fan den Loudness-Wahn nicht mehr länger mit. Die Band Metallica musste dies erfahren, als die Fans deren Musik lieber „ungepumpt“ von der Spiele-CD Guitar Hero hören wollten, als auf der Musik-CD.

Das eigentliche Problem liegt nicht nur im Klang (der ja letztlich auch Geschmackssache ist), sondern in der Lärmbelastung. Schauen wir uns nochmal den Dire Straits Titel „So Far Away“ an (Bild oben). Der durchschnittliche Pegel des Titels betrug im Original von 1985 noch 88 Dezibel. In der Ausgabe von 2005 lag dieser Durchschnittspegel bei 99 Dezibel. Damit führt sich ein Musikhörer mit der neuen Version des Albums eine mehr als 10fach höhere Schallenergie zu. Selbst wenn man berücksichtigt, dass derart hoch komprimierte Titel eventuell etwas leiser abgespielt werden, ist der Zuwachs an Schallenergie erheblich. Und weil MP3-Player heute immer häufiger und vor allen Dingen immer länger getragen werden, ist die Entwicklung wirklich bedenklich.

Bedenklich auch deshalb, weil sich die Hörgewohnheiten mit den Jahren ändern. Da wir derzeit täglich mit immer stärker komprimierter Musik konfrontiert werden und Radiosender das Material z.B. noch einmal zusätzlich komprimieren, ändert sich unsere Wahrnehmung. Komprimiertes, gequetschtes Audiomaterial klingt für uns zunehmend normal, dynamisches Material eher ungewohnt. Diesem Trend gilt es entgegen zu wirken. Nicht nur, weil dynamische Musik viel mehr hörbare Details besitzt, sondern auch, weil die Gehörbelastung reduziert wird.

Wer den Dynamikbereich von Musikveröffentlichungen recherchieren möchte kann sich der Dynamic Range Database bedienen. Dort sind derzeit über 10000 Alben erfasst und bewertet.

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