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Senioren und der Lärm aus der Kita

Blogbeitrag gepostet am 27.02.2011

Seit Tagen diskutiert Deutschland über Lärm in und aus Kindertagesstätten. Der Grund: Seit Anfang Februar nehmen die Pläne für ein geändertes Immissionsschutzgesetz Formen an. Darin sollen Baumaschinen und Kinder in Zukunft nicht mehr gleichgestellt sein wenn es um die Beurteilung der akustischen Emissionen geht (sprich: Wie viel Lärm kommt raus?).

Ich möchte das Thema heute einmal von einer anderen Seite beleuchten. Dabei unterstelle ich, dass es überwiegend Menschen in der zweiten Lebenshälfte sind, die Kinderlärm in Wohngebieten kritisch sehen. Die „Senioren-Union“ nährt diese Unterstellung.

Wenn man annimmt, der der Großteil dieser Menschen selber Kinder aufwachsen sah, dann sollte die Suche nach anderen Gründen als „Altersstarrsinn“ erlaubt sein. Einen (sicher nicht den einzigen) glaube ich gefunden zu haben.

Beinahe jeder 6. Deutsche besitzt ein eingeschränktes Hörvermögen. Schaut man sich die Aufteilung nach Altersgruppen an, so sieht man eine Häufung bei den über 60-jährigen. In dieser Altersgruppe hört mehr als die Hälfte der Menschen nicht mehr optimal.

„Und was hat das mit Kinderlärm zu tun? Ist doch prima – wer schlecht hört den stören die Kinder auch weniger…!“

Ein weit verbreiteter Irrglaube.

Im Alter verschwindet häufig die Empfindlichkeit für leise Töne. Die Empfindlichkeit für laute Töne bleibt jedoch gleich oder kehrt sich ins Gegenteil um: Viele ältere Menschen habe eine Überempfindlichkeit für laute und hohe Töne (auch Hyperakusis genannt). Zusätzlich kämpfen schwerhörige Menschen mit dem Cocktailparty-Effekt: Laute Hintergrundgeräusche überdecken leise Sprache und machen eine Unterhaltung zur Qual.

Kindergeschrei aus der Kita trifft also gleich mehrere Hörproblembereiche von Menschen mit Hörverlust: Es ist laut und es ist schrill (hohe Frequenzanteile). Damit ist es unbehaglich laut: Das Kindergeschrei wird lauter und schriller wahrgenommen als von Menschen mit intaktem Gehör. Zusätzlich überdeckt es die leise Sprache, welche von älteren Menschen dann meist schlechter verstanden wird.

Nimmt man all diese Höreffekte zusammen, dann wundert es nicht, dass sich Menschen mit Hörverlust durch den hochfrequenten Lärm aus Kindertagesstätten in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sehen. Und geht man davon aus, dass der größere Teil der Hörgeschädigten zur Gruppe der Senioren zählt, so ist auch klar, warum diese besonders energisch nach Hilfe rufen.

Was bleibt ist allerdings die Frage nach dem geeigneten Mittel zur Lösung des Problems. Denn neben der Verlegung der Kita an den Stadtrand gäbe es noch die Alternative, dem Hörverlust und der Lärmüberempfindlichkeit durch moderne Hörgeräte entgegen zu wirken.

Der süße Fratz, der oben rechts so
illustrativ für diesen Betrag schreit,
wurde von memekode festgehalten.

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