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Wie funktioniert eigentlich ein Hörtest?

Blogbeitrag gepostet am 20.01.2012

Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland über 15 Millionen Menschen schlecht hören. Tendenz: steigend. Viele der Betroffenen wissen nichts von ihrem Hörverlust und schieben erste Anzeichen und beginnende Hörprobleme auf ihre Umwelt: „Menschen sprechen undeutlicher“, „Fernsehfilme sind nicht mehr so klar wie früher“, „Die Musik auf Veranstaltungen wird immer unerträglicher, „…“

Das eigene Hörvermögen besser kennen zu lernen ist ganz simpel, tut nicht weh und ist in wenigen Minuten erledigt. Viele Hörgeräteakustiker in Deutschland bieten solche Hörtests an. Einige von ihnen sogar kostenlos.

Ich möchte heute erklären, wie so ein Hörtest abläuft. Vielleicht verliert der eine oder andere dann die Scheu, so etwas selber mal bei sich durchführen zu lassen.

Ein ausführlicher Standard-Hörtest für Erwachsene besteht aus zwei Teilen: Dem Ton- und dem Sprachhörtest. Und so funktioniert’s:

  1. Tonhörtest A: Die Schallleitung.
    Der erste Hörtest findet kurioserweise nicht auf dem Ohr sondern hinter dem Ohr statt. Ein Spezialvibrationshörer wird auf die Vorwölbung hinter der Ohrmuschel gesetzt. Das vibrieren kann etwas kitzeln. Gemessen wird mit Tönen unterschiedlicher Höhe und Lautstärke, wie gut die Signale im Innenohr ankommen. Beide Ohren werden separat getestet.

  2. Tonhörtest B: Tonhörtest über Kopfhörer.
    Über einen besonders exakt kalibrierten Kopfhörer werden verschieden hohe Töne separat für rechts und links abgespielt. Für jeden Ton wird gefragt, wann man ihn zum ersten mal gerade eben hört. Sagt man „Jetzt“ wird in einem Diagramm eine Markierung gesetzt. Die einzelnen Markierungen werden später zur Hörkurve verbunden. Ist man sich unsicher, so kann die Tonmessung für einzelne Töne wiederholt werden.

  3. Tonhörtest C: Unbehaglichkeit.
    Wann werden Ihnen die Töne zu laut? Sag wo Deine Grenze ist. Für das Ergebnis ist dies wichtig, denn daraus lässt sich ablesen, ob Du nur leise oder auch für laute Töne normal hörst. Der Hörakustiker geht bei dieser Messung besonders behutsam vor, denn die Grenze soll nicht überschritten werden.

  4. Sprachhörtest A: Zahlentest.
    Eine relativ einfache Übung, die es dennoch in sich hat: Du hörst einzelne Zahlen und sollst sie wiederholen. Zum Beispiel „Einundvierzig“. Es beginnt sehr leise – so leise, dass Du bestimmt Fehler machen wirst. Sieh diesen Test als sportlichen Wettbewerb: Hier schafft niemand immer 100%.

  5. Sprachhörtest B: Einsilbige Worte.
    Das klingt einfach, man muss jedoch ganz genau hinhören. „Hund“ sagt Dir ein Sprecher über den Kopfhörer. Oder war es „Mund“? Bei leisen Lautstärken sind Verwechslungen möglich. Beide Sprachtests werden für das rechte und linke Ohr getrennt durchgeführt.

  6. Sprachhörtest C: Wenn Sprache zu laut wird.
    Niemand wird gerne angebrüllt. Um festzustellen, wo Deine persönliche Toleranzgrenze für geschrien laute Sprache liegt, wird die Lautstärke langsam gesteigert. Bis Du sagst: „Es reicht!“.

Das war’s schon. An Ende wird der Akustiker die Ergebnisse mit Dir zusammen anschauen. Dabei wird er Dir jeweils zeigen, in welchem Bereich die Norm liegt und dann erklären, ob Du normal hörst, oder ob Deine Ergebnisse abweichen. Die meisten Akustiker geben das Ergebnis des Hörtests schriftlich mit nach Hause.

Vielleicht kennst Du einen guten Hörakustiker bei Dir in der Nähe. Dann solltest Du dort anfragen, ob sie/er bei Dir einen Hörtest durchführt und ob Du eventuell einen Termin benötigst (um Wartezeit zu vermeiden). Und bevor Du jetzt fragt „Wo kann ich hingehen, wenn ich keinen Akustiker kenne?“ – ich könnte Dir jetzt natürlich irgendwelche Massenverzeichnisse nach Postleitzahl sortiert vorschlagen. Die findest Du aber auch selber im Internet. Ich habe hier eine Liste von Hörakustikern zusammen gestellt, die ich persönlich kenne und von denen ich zu wissen meine, dass sie sehr gute Arbeit leisten.

Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass ich hier nicht auf das drumherum eingegangen bin (selbstverständlich wirft der Akustiker zu Beginn einen Blick in die Ohren). Auch gibt es noch eine ganze Reihe von spezialisierten Hörtests um spezielle Probleme einzugrenzen. Außerdem gibt es für Kinder spezielle Hörtests von geschulten Kinderakustikern.

Du siehst: Hörtest ist weniger medizinisch als es sich vielleicht anhört. So ein Test ist schnell erledigt und sehr interessant. Mach mal einen, danach weißt Du wie gut Du wirklich hörst. Schon die ersten drei Testabschnitte (Tontests) genügen oft für eine gute erste Einschätzung.

Übrigens: Auf Messen und bei Aktionen wird gelegentlich eine stark verkürzte Version eines Hörtests angeboten (nur Test No. 2 mit wenigen Tonlagen). Das ist zwar nicht so aussagekräftig wie ein richtiger Hörtest, gibt aber oft schon eine sehr gute Orientierung.

Das Bild „Soundcheck“ ist von Oliver Playford
auf aboutpixel.de veröffentlicht worden.

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